Jahreskreis
Der Jahreskreis ist die große Legung für den Blick nach vorn: zwölf Karten für die kommenden zwölf Monate, beginnend mit dem aktuellen, und in der Mitte eine dreizehnte für das Thema, das alles zusammenhält. Sie sagt dir nicht, was in einem Monat geschehen wird. Sie zeigt zwölf Stimmungen, zwölf Blickwinkel, zu denen du im Laufe des Jahres zurückkehren kannst: ein Kalender für die innere Jahreszeit.
Walze anhalten oder im Kreis wählen, der Moment deiner Entscheidung bestimmt die Karte.
Wann dieses Legesystem passt
Der Jahreskreis passt an Wendepunkten: zum Geburtstag, zum Jahreswechsel, nach einem Umzug oder einer Trennung, immer dann, wenn ein Abschnitt endet und du den nächsten bewusst beginnen willst. Weil er mit dem aktuellen Monat startet, kannst du ihn zu jeder Jahreszeit legen. Er braucht Zeit und Ruhe, am besten einen freien Abend und ein Notizbuch, denn seine Wirkung entfaltet sich erst über das Jahr. Für akute Fragen ist er zu weit gefasst; dafür gibt es die Drei Karten oder das Hufeisen.
Die Positionen
- 1. Monat – Der aktuelle Monat, dein Standpunkt im Kreis. Sie beschreibt, was jetzt prägt, und ist dein Prüfstein: Erkennst du dich in ihr wieder, kannst du den übrigen Karten mit Vertrauen begegnen. Sie gibt den Ton an, in dem das Jahr anhebt.
- 2. Monat – Die erste Bewegung aus dem Jetzt heraus. Was prägt diesen Monat, was bahnt sich an, das im ersten Monat erst angelegt war? Lies ihn als Fortsetzung: Welche Richtung nimmt die Karte des ersten Monats hier, verstärkt oder gebremst?
- 3. Monat – Das erste Vierteljahr schließt sich. Diese Karte zeigt, was prägt, wenn der Anfangsschwung sich gesetzt hat. Oft ist sie eine erste kleine Bilanz nach dem Start: Was ist aus den ersten beiden Monaten geworden, und was davon bleibt tragfähig?
- 4. Monat – Ein Übergang. Mit diesem Monat beginnt das zweite Viertel, und die Karte zeigt häufig einen Wechsel der Stimmung oder des Schauplatzes. Achte darauf, ob sie an den dritten Monat anknüpft oder etwas Neues eröffnet, das im ersten Viertel noch fehlte.
- 5. Monat – Vertiefung. Hier zeigt die Karte, womit du dich in der Mitte der ersten Jahreshälfte ernsthaft beschäftigst. Es ist der Monat, in dem Vorhaben entweder Substanz bekommen oder leise versanden. Lies ihn deshalb besonders genau im Licht des Jahresthemas.
- 6. Monat – Halbzeit und der Gegenpol zum ersten Monat. Was prägt den Punkt, an dem das halbe Jahr geschafft ist? Lege sie gedanklich neben die des ersten Monats: Die beiden zeigen, wie weit du dich in sechs Monaten bewegt hast.
- 7. Monat – Der Beginn der zweiten Hälfte. Diese Karte zeigt, mit welcher Haltung du in sie hineingehst. Oft klingt hier ein Thema der ersten Monate noch einmal an, in reiferer oder veränderter Form. Achte auf Wiederholungen von Farbe oder Zahl.
- 8. Monat – Reifung und erste Ergebnisse. Was im zweiten Monat angestoßen wurde, zeigt hier, seinem Gegenüber im Kreis, seine Folge. Die Karte beschreibt, was in diesem Monat Form annimmt, und lädt ein, Ergebnisse anzuerkennen, auch wenn sie anders aussehen als geplant.
- 9. Monat – Drei Viertel des Weges. Diese Karte zeigt, was prägt, wenn das Jahr auf die Zielgerade geht: Ernte, Prüfung oder noch einmal Anstrengung. Vergleiche sie mit dem dritten Monat, ihrem Gegenüber, und frage, was sich seit damals geklärt hat.
- 10. Monat – Sortieren und Loslassen. Die Karte zeigt, womit du dich in diesem Monat auseinandersetzt, wenn Platz für Neues entstehen will. Sie kann Abschluss ebenso bedeuten wie eine Entscheidung. Lies sie nicht als Verlust, sondern als Vorbereitung auf den Schluss.
- 11. Monat – Der vorletzte Monat, Gegenüber des fünften. Was damals vertieft wurde, zeigt sich hier in seiner Wirkung. Die Karte beschreibt die Stimmung kurz vor dem Abschluss und ist oft ruhiger oder nachdenklicher als die Monate davor, ein Innehalten vor dem Schluss.
- 12. Monat – Der Abschluss, der an den Ausgangspunkt zurückführt. Diese Karte zeigt, was prägt, wenn sich der Kreis schließt, und was du aus diesem Jahr mitnimmst. Lies sie zusammen mit dem ersten Monat und dem Jahresthema als Dreiklang: Anfang, Ende und Mitte.
- Jahresthema – Was ist das Thema des kommenden Jahres? Die Karte in der Mitte ist das Leitmotiv, die Linse, durch die du alle zwölf Monate betrachtest. Sie erklärt, warum die Monate zusammenpassen, wie sie es tun. Lies sie als Erste und als Letzte.
So liest du die Legung
Beginne mit dem Jahresthema in der Mitte und lass es einen Moment wirken, bevor du die Monate anschaust. Dann gehst du den Kreis einmal herum, vom ersten bis zum zwölften Monat, und formulierst zu jedem Monat einen kurzen Satz. Beim zweiten Durchgang liest du Quartale: jeweils drei Monate als kleine Geschichte mit Anfang, Mitte und Ende. Notiere die Sätze, denn bei dreizehn Karten verblasst der erste Eindruck schnell.
Verbinde dann die Gegenüber im Kreis, ersten und siebten Monat, zweiten und achten und so weiter; sie zeigen Entwicklungen über ein halbes Jahr. Zähle die Großen Arkana: Monate mit ihnen sind die Schwergewichte des Jahres, die anderen ordnen sich um sie herum. Häuft sich eine Farbe, prägt dieser Lebensbereich das Jahr, etwa Münzen für Arbeit und Alltag oder Kelche für Beziehungen. Umgekehrte Karten markieren Monate, in denen etwas stockt oder nach innen geht; das sind oft die Monate, in denen du am meisten lernst.
Ein Beispiel
Nina legt den Jahreskreis im November mit dem Waite-Smith-Tarot. Ihr Jahresthema ist Der Stern: Zuversicht nach einer anstrengenden Zeit, Erholung in kleinen Schritten. Durch diese Linse liest sie die Monate. Der 1. Monat, der November, zeigt die Vier der Schwerter: Ruhe, die sie sich nach einem fordernden Jahr endlich gönnt. Der 2. Monat, der Dezember, bringt die Zehn der Kelche, Familie und Zugehörigkeit, ein Fest, das sie diesmal nicht organisiert, sondern genießt. Im 4. Monat, dem Februar, steht Der Narr: ein Aufbruch, vielleicht die Weiterbildung, über die sie lange nachgedacht hat. Der 6. Monat, der April, zeigt die Sieben der Münzen, Geduld, während das Neue noch wächst, und steht dem ruhenden November gegenüber: Aus Erschöpfung ist Abwarten mit Perspektive geworden. Der 12. Monat, der Oktober, schließt mit der Neun der Münzen, Eigenständigkeit und Freude am Erreichten. Nina sieht die Bewegung vom Rückzug zur Selbstständigkeit und nimmt sich vor, den Narren im Februar nicht zu verpassen.
Tipps
- Notiere jeden Monat in einer Zeile und lies sie am Monatsanfang neu.
- Lies die Monate nicht als Termine. Eine Karte beschreibt eine Stimmung, kein Ereignis.
- Lege den Jahreskreis nur einmal im Jahr. Wiederholung verwischt den Blick.